Schulsysteme

von Joachim Seufferle (Kommentare: 0)

Programme for International Student Assessment, kurz PISA, hieß die Studie, welche vor zwölf Jahren unsere Bildungslandschaft aufmischte. Bei aller Kritik an der Vergleichbarkeit der Schulsysteme in den verschiedenen Ländern hat sie doch bei uns für die notwendige Bewegung gesorgt, bevor das Schulsystem in Selbstzufriedenheit erstarrt.

Ein Teil dieser Bewegung ist der Streit über das richtige Schulsystem. Baden-Württemberg und Bayern lagen mit ihren dreigliedrigen Systemen immer an der Spitze im Bundesländerranking, Länder mit Gesamtschulen meistens dahinter. Selbstkritisch ist allerdings hinzuzufügen, dass bei uns die Chancen sozial Benachteiligter auf einen höheren Abschluss schlechter sind als in anderen Ländern.

Die Landesregierung will nun Abhilfe schaffen, indem sie den Schulen die Möglichkeit eröffnet, sich zu sogenannten Gemeinschaftsschulen umzuwandeln. Auch in Schorndorf werden Rufe laut, die Werkrealschulen mögen sich doch bitte dahingehend Gedanken machen. Die CDU-Fraktion hält diese Rufe für falsch.

In den nächsten 10 Jahren reduzieren sich die Schülerzahlen um über 25%. Diese auf immer mehr Schulen (G 9, G8, Werkreal-, Real- und Gesamtschulen) zu verteilen ist ein Irrweg. Statt dessen wäre eine Entwicklung hin zu einem zweigliedrigen System, bestehend aus Oberschule und Gymnasium wünschenswert. Mittelfristig deshalb, damit alle Beteiligten Zeit für eine gründliche Vorbereitung haben.

Die Lehrer um sich in neue Unterrichtsformen einzuarbeiten. Das Ministerium um entsprechende Lehrpläne zu entwickeln. Wir als Stadt, um die räumlichen Voraussetzungen schaffen zu können. In diesem System können auch all die neuen pädagogischen Ansätze zur Anwendung kommen, die bei der Gemeinschaftsschule diskutiert werden..

Am sinnvollsten wäre natürlich eine landesweite Regelung zu einem bestimmten Stichtag in einigen Jahren, an dem die neuen Schulform startet. Dies hätte auch den Vorteil, dass die bildungspolitische Energie nicht im Streit um neue Schulformen und alte Schulstandorte verpufft, sondern in die Förderung benachteiligter Schüler und in die Qualität des Unterrichts fließen könnte.

Auch Umzüge innerhalb Baden-Württembergs wären für Schulkinder leichter verkraftbar, wenn es weniger Schultypen gäbe.

Die CDU-Fraktion sieht aktuell keine Notwendigkeit, dass die sich eben erst zu Werkrealschulen weiterentwickelten Haupt- zu sogenannten Gemeinschaftsschulen umwandeln. Vielmehr würden wir uns eine Weiterentwicklung hin zu o. g. zweigliedrigem System wünschen. Das Bundesland Sachsen hat dieses bereits und liegt damit ebenfalls regelmäßig an der Spitze bei der PISA-Studie.

Zum Schluss muss ich noch anmerken, dass mich in der ganzen bildungspolitischen Debatte stört, dass Kinder in der gesellschaftlichen Wahrnehmung offensichtlich nur noch dann einen Wert haben, wenn sie das Abitur schaffen. Wir sollten uns wieder öfter auf das christliche Menschenbild besinnen, das besagt, dass vor Gott alle Menschen gleich sind.

Bericht: Hermann Beutel, Fraktionsvorsitzender der CDU Schorndorf.


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